Warum Fürsorge nichts mit Kontrolle zu tun hat

Titelbild zum Artikel: Warum Fürsorge nichts mit Kontrolle zu tun hat

Warum Fürsorge nichts mit Kontrolle zu tun hat

Hallo,
in den vorigen Artikeln hatte ich über Geborgenheit und Zuhausesein geschrieben. Heute möchte ich auf das Thema Fürsorge eingehen, denn Fürsorge ist etwas, das das Gefühl von Geborgenheit extrem verstärkt.

Fürsorge bedeutet, die eigenen Bedürfnisse zurück zu stellen.

Fürsorge bedeutet sehr oft auch, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, um für jemanden da zu sein, mal nicht zum Sport zu gehen, ins Kino oder anstatt einen Blogartikel zu schreiben, einen Pudding kochen und mit dem anderen hinzusetzen und einfach nur da zu sein. Und ja, fürsorgliche Menschen machen das gerne für die Menschen, die sie umsorgen.

Fürsorge bedeutet, die Verantwortung für das Wohlergehen eines anderen zu übernehmen.

Ich habe für Euch hier noch mal ein Zitat aus meinem Roman Herbstalbträume eingebunden, welches sehr gut verdeutlicht, wie Fürsorge in einer D/s-Beziehung oder einer CG/l-Beziehung  aussehen kann. Odine liefert hier ein gutes Beispiel einer fürsorglichen Mommy Domme.

Szene aus Herbstalbträume

Kapitel 7: Und weiter geht die Jagd

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In der Nacht wurde Odine wach. Amelie schrie, als wenn sie in einem Albtraum wäre. Sofort rannte sie in Amys Schlafzimmer und weckte ihre Frau auf.
„Hey, Schatz. Du hast einen Albtraum.“
Sie versuchte, ihre Frau zu beruhigen. Doch sie schrie immer weiter. Bis zu dem Moment, wo sie wach wurde und anfing zu weinen. Odine saß neben ihr auf dem Bett und hielt sie einfach nur in ihren Armen.
„Shhh. Alles gut, mein Engel, ich bin doch da. Alles wird gut.“
Amelie weinte und schluchzte. Sanft streichelte Odine über ihr Haar, als Amelie ihren Kopf in Odines Schoß legte.
„Magst Du mir erzählen, was Du geträumt hast.“
Amelie weinte und schluchzte. In dem Moment war sie nicht in der Lage, auch nur ein Wort zu sagen. Irgendetwas musste sie sehr belasten. So sehr, dass es sie in ihren Träumen heimsuchte.
„Ich hatte einen fürchterlichen Albtraum“, fing sie dann irgendwann zu erzählen an.
„Weißt Du noch, worüber?“
„Irgendwas mit einem bösen dunklen Ritter. Er hat mich entführt und wollte mir furchtbare Dinge antun. Dann kamst Du bereits. Kannst Du bei mir bleiben? Bitte!“, flehte Amelie ihre Frau an.
„Natürlich!“
Odine legte sich zu Amelie in das große Bett und blieb die ganze Nacht bei ihr. Am nächsten Morgen wachte sie dann wie immer als Erste auf und weckte ihre Frau, ganz sanft.
„Schatz, ich stehe jetzt auf und mache uns Frühstück. Geh Du bitte schon mal duschen.“
Sofort klammerte sich Amelie an Odine.
„Nein, bleib bei mir. Bitte noch einen Moment.“
Odine fing an, sich Sorgen zu machen. Was hatte dieser Traum zu bedeuten, was war los? Sanft strich sie Amelie übers Haar. Hielt sie noch eine Weile in ihren Armen, machte dann aber Anstalten, aufzustehen.
„Muss das sein?“, fragte Amelie ängstlich.
„Ja, wir müssen zur Arbeit. Und außerdem habe ich Hunger, mein Schatz.“
Wie zur Bestätigung knurrte Odines Magen. Amelie musste lachen.
„Dann stehen wir auf. Verhungern sollst Du mir nicht, mein Schatz.“

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Die beiden standen auf und verließen Amys Zimmer in Richtung Badezimmer und Küche. Odine machte das Frühstück und stellte den Kaffee an. Amelie duschte und versuchte sich etwas zu beruhigen. Sie hatte Odine nicht gesagt, dass sie den Traum kannte und wusste, wie er weiterging. Bis jetzt war sie von ihm verschont geblieben. Sie wusste auch, wo er herkam. Seit ihrer Zeit bei der Drogenfahndung hatte sie diese Träume und sie wusste auch genau, was sie bedeuteten. Aber seit sie mit Odine zusammenarbeitete und sie ein Paar waren, waren diese Träume wie durch einen Zauber verschwunden. Wie sollte sie mit Odine darüber reden? Nachdenklich kam sie in die Küche, nahm sich einen Kaffee und setzte sich an den gemeinsamen Frühstückstisch. Stumm begann sie ihr Porridge zu verspeisen. Odine wurde es irgendwann zu bunt. Der Elefant musste aus dem Raum. Also stellte sie direkt die Frage.
„Schatz, hattest Du früher schon solche Albträume. Also ich weiß, dass Du sie nicht hattest, seit wir zusammen sind. Aber hattest Du sie davor schon mal?“
Amelie wurde kreidebleich. Wie sollte sie jetzt aus der Nummer rauskommen? Wenn sie das verneinen würde, dann wäre das eine glatte Lüge. Sie schluckte, dann versuchte sie es mit einer Beschwichtigung.
„Ja, aber das war in einem anderen Leben. Keine Ahnung, warum der wieder hochkam.“
Das war nur eine halbe Lüge, denn die Zeit vor dem Zusammensein mit Odine, war wirklich wie ein anderes Leben für Amelie. Und wie sollte Odine Amelie nachweisen, dass sie genau wusste, woher die Albträume kamen? Wie sollte das jemals rauskommen?
Odine stocherte in ihrem Porridge herum und meinte dann in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete.
„Wenn diese Albträume wiederkommen, gehst Du zu Ines! Hab ich mich klar ausgedrückt?“
„Was soll ich denn beim Seelenklempner? Ich weiß, dass ich verkorkst bin“, versuchte Amelie die Situation mit einem Scherz aufzulösen.
„Muss ich nun wirklich Regel eins zitieren?“, fragte Odine in einem deutlich angepissten Tonfall.
„Wieso bringe ich mich in Gefahr, wenn ich nicht zu einem Seelenklempner will?“
„Weil Du, wenn Du wiederkehrende Albträume hast, definitiv Hilfe brauchst. Denn dann belastet Dich etwas, das diese Träume auslöst.“
Amelie nickte, vielleicht hatte Odine ja wirklich recht. Und Ines Andresen hatte ja auch ihrer Frau helfen können, mit der Entführung durch Junovic und seine Schergen klarzukommen. Vielleicht wäre das wirklich ein Weg. Aber dann kam wieder ihr Trotzkopf durch.
„Und was, wenn ich das nicht will?“
„Dann erinnere ich Dich an Regel drei. “Sei Gehorsam!““ , erwiderte Odine und ihr Gesicht verfinsterte sich immer mehr.
„Schon gut, wir brauchen die Diskussion nicht weiterzuführen. Ja, ich werde zu Frau Andresen gehen, wenn die Träume wiederkommen. Versprochen.“
Odine lächelte und nahm Amelies Hand.
„Danke. Es bedeutet mir sehr viel und ich werde Dich auch begleiten.“
„Ich denke, Frau Andresen führt keine Paartherapie durch?“, fragte Amelie.
„Das stimmt. Aber ich kann ja im Auto auf Dich warten“, sagte Odine mit einem Lächeln.
„Warum? Warum machst Du das?“, fragte Amelie.
„Warum mache ich was?“
„Warum baust Du mir immer wieder so viele Brücken?“
„Weil ich Dich liebe und möchte, dass es Dir gut geht.“
Amelie stand auf und setzte sich bei Odine auf den Schoß. Dann legte sie ihre Arme um Odines Hals und gab ihr einen langen Kuss.
„Ich liebe Dich, Odine Bernau. Auch wenn Du mitunter echt streng sein kannst.“
„Nur wenn es zu Deinem Besten ist, meine kleine Maus.“
Amelie schmiegte sich an Odine an und genoss die Nähe zu ihrer Frau. In dem Moment war die Welt wieder in Ordnung. Amelie spürte, sie wurde geliebt, und Odine war für sie da. Mitten in diesen schönen Gedanken und Gefühlen spürte sie dann einmal einen sanften Klaps auf ihrem Po.
„Schatz, ich muss aufstehen und ins Bad. Räumst Du die Küche auf und ziehst Dich schon mal um?“
„Ja, mache ich.“

Fürsorge bedeutet Kontrolle

Häh, die Überschrift sagt doch was anderes? Ja, stimmt, ich meine hiermit allerdings nicht die Kontrolle über einen Menschen, der sich einem anvertraut. Ich meine die Selbstkontrolle. Denn im Leben gibt es immer zwei Wege der Kontrolle. Die Kontrolle von außen und die Selbstkontrolle. Dazu hatte ich schon in diesem Beitrag einiges erzählt.

Fürsorge bedeutet Vertrauen auf beiden Seiten.

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Kommen wir nun zu einem für mich sehr wichtigen Punkt. Fürsorge hat noch eine Besonderheit. Fürsorge bedeutet, das Vertrauen auf beiden Seiten da sein muss. Als fürsorglicher Mensch muss ich darauf vertrauen, dass meine Fürsorglichkeit nicht ausgenutzt wird, dass sich der Mensch, für den ich fürsorglich da sein möchte, sehr wohl auf sich achtet und nicht bewusst schaden möchte. Als umsorgte Person muss ich das Vertrauen haben, dass die fürsorgende Person mir nicht schaden will. Das alles, was sie im Rahmen der Fürsorge macht, zu meinem Besten ist.

Fürsorge kann wehtun

Ich hatte es ja schon in dem Artikel hier beschrieben. Fürsorge kann für beide Seiten schmerzhaft sein. Gerade wenn im BDSM, D/s und CG/l auch noch Konsequenzen mit reinspielen, ist das natürlich logisch. Aber auch in einem „normalen“ Umfeld kann Fürsorge echt wehtun, wenn man Dinge nicht machen kann, weil die Fürsorge reingrätscht, für die man liebt. Oder wenn man als fürsorglicher Part einfach mal Nein sagen muss. Denn jemand, der Fürsorge für jemanden empfindet und diese auslebt, will ja diesen Menschen glücklich sehen. Und Dinge zu verwehren, ist dabei mit Sicherheit das Schwerste und für mich ein besonderes Zeichen von fürsorglicher Liebe.

Fazit

Fürsorge hat auf der einen Seite nichts mit Kontrolle zu tun, höchstens mit Selbstkontrolle. Aber auf der anderen Seite stehen Dinge, wie Vertrauen, die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse nach hinten zu schieben, unangenehme, schmerzvolle Dinge ertragen zu können, weil man jemanden so sehr liebt, dass man aus Fürsorge auch mal Nein sagt. Fürsorge ist etwas, das ein Gefühl von Geborgenheit erzeugt. Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, warum gerade Beziehungen mit BDSM, D/s und CG/l besonders auf Geborgenheit angewiesen sind, kann ich Dir diese Lesereise hier empfehlen. Und wenn Dir das Zitat aus meinem Roman Herbstalbträume gefallen hat, kannst Du ihn auch bei mir im Büchershop erwerben und erfahren, wie es mit Odine und Amelie weitergeht.
In diesem Sinne
Sei Achtsam

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