Fürsorge braucht manchmal unbequeme Entscheidungen

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Fürsorge braucht manchmal unbequeme Entscheidungen

Einfach Mal Selbst Gedacht Einfach Mal Selbst Gedacht von Daira Bär https://einfachmalselbstgedacht.com https://einfachmalselbstgedacht.com/2026/10/13/fuersorge-braucht-manchmal-unbequeme-entscheidungen/ Entscheidungen

Hallo,
in diesem Artikel möchte ich auf ein weiteres Missverständnis zum Thema Fürsorge schreiben. Fürsorge ist nicht immer leicht und sie kann auch manchmal unbequem sein. Wie ich das meine, und warum ich das so sehe, möchte ich in diesem Artikel, der wieder Bestandteil der Lesereise: Fürsorge – Wenn Liebe Verantwortung übernimmt ist, erklären.

Fürsorge – Wenn Liebe Verantwortung übernimmt

  1. Warum Fürsorge nichts mit Kontrolle zu tun hat
  2. Warum Fürsorge mehr ist als Helfen
  3. Wann Fürsorge zur Verantwortung wird
  4. Fürsorge braucht manchmal unbequeme Entscheidungen
  5. Warum Fürsorge ohne Grenzen nicht funktioniert
  6. Fürsorge in Beziehungen mit Machtgefälle
  7. Die kleinen Gesten der Fürsorge
  8. Fürsorge als Fundament einer Found Family
  9. Warum Fürsorge eine Form von Liebe ist
  10. Toxische Beziehungen oder Beziehungen mit Machtgefälle?
  11. Warum Fürsorge manchmal strenger wirkt als Freiheit

Unbequeme Fürsorge, Teil 1: Aus Sicht des Fürsorgenden

Als Caregiver egal ob Mommy Domme oder Daddy Dom gibt es Momente, die für einen selbst unangenehm werden können, es gibt Dinge, die man nicht gerne macht. Aber anders als das reine Helfen ist Fürsorge eben mehr. Es ist eine Haltung, und Haltung ist nicht immer angenehm.

Unbequeme Fürsorge, Teil 2: Grenzen ansprechen.

Bei Fürsorge geht es eben auch darum, Grenzen zu setzen. Sei es für sich selbst, oder für den Partner. Gerade im CG/l sind Grenzen besonders wichtig, da sie einen Rahmen schaffen, in dem der Partner eines Caregivers sicher agieren kann. Ich habe dafür mal eine Szene aus meinem Roman Herbstalbträume mit Odine und Amelie im Littlespace als Amy, die genau das mal zeigt, herausgesucht.

Szene aus Herbsalbträume
Frontcover zu dem Roman Herbstalbträume von Daira Bär

Mitten aus diesen Gedanken riss sie ein gellender Schrei. Amy war anscheinend von der Schaukel gefallen. Doch irgendetwas stimmte nicht. Sie lag fast drei Meter von der Schaukel entfernt. Wie konnte das passieren? So weit fiel man nicht einfach von der Schaukel entfernt zu Boden. Sofort rannte Odine zu Amelie hin und zog diese in ihre Arme.
„AUUUUUUUUUUU! Das tut weh“, weinte Amy.
„Shhh. Schatz, ich bin ja da. Alles wird gut. Wo hast Du Dir weh getan?“
Besorgt betrachtete Odine Amy und versuchte herauszufinden, ob Amy sich irgendwie schwerer verletzt hatte oder aber ob es nur der Schreck war.
„Hier.“, Amy deutete auf ihr Knie.
Sofort sah sich Odine das Knie näher an. Da Amy eine kurze Latzhose trug, hatte das Knie wenig Polster gehabt, welches den Sturz mindern konnte. Und wirklich, Amy hatte sich das Knie aufgeschrammt bei der Landung und es blutete.
„Wir gehen rein und ich mach’ Dir da ein Pflaster drauf. Dann lege ich Dir ein Cool Pack darauf. Und Du schaust Dir im Fernsehen eine Serie an. Bis es nicht mehr weh tut.Einverstanden?“
„Ja!“, nickte Amy und Odine konnte sehen, wie die Tränen bei ihrer Frau langsam versiegten. Die beiden gingen in den Bungalow. Odine führte Amy direkt ins Badezimmer. Als Odine das Desinfektionsmittel rausnahm, verzog Amy das Gesicht.
„Muss das sein?“
„Ja, Du hast Dreck in der Wunde, das muss desinfiziert werden.“
„Aber das tut weh.“
„Schatz, das tut noch mehr weh, wenn sich die Stelle entzündet. Willst Du das?“
„Nein.“
Schnell griff Odine zu einem Wattepad und tat etwas Desinfektionsmittel darauf, dann tupfte sie die Stelle ab und Amy kamen schon wieder die Tränen. Aber sie biss die Zähne zusammen und jammerte nicht.
„Das hast Du gut gemacht. Bist doch mein tapferes Mädchen“, lobte Odine sie. Amy strahlte und umarmte Odine. Danach gingen die beiden ins Wohnzimmer.
„Ich hol’ Dir eben ein Cool Pack.“
„Komm schnell wieder.“
„Das dauerte nicht lange.“

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Odine gab Amy noch einen Kuss auf die Stirn, ging dann in die Küche und nahm das Cool Pack aus dem Gefrierfach, umwickelte es mit einem Handtuch und ging ins Wohnzimmer. Vorsichtig legte sie es Amy auf das Knie.
„Schatz, wie ist das denn passiert. Hast Du Dich auch gut festgehalten?“
„Ja …“
„Wie konnte das dann passieren?“
„Ich wollte Dir zeigen, was ich bei Kassandra gelernt habe. Und na ja, das ging wohl schief.“
„Was wolltest Du mir denn zeigen?“, fragte Odine nach.
Sie war misstrauisch geworden, was zum Henker sollte Kassandra Amy beigebracht haben, das mit dem Schaukeln zu tun hatte.
„Kassandra hat uns doch gezeigt, wie man über Hindernisse springt und sich dann abrollt.“

In Odine kam eine Idee auf. Hatte Amy etwa eine Lektion aus der Fallschule ausprobieren wollen und der Versuch war schiefgegangen?
„Ja, ich kenn’ die Übung, aber was hat die mit dem Schaukeln zu tun?“
„Ich wollte Dir zeigen, wie gut ich das kann. Ich bin aus der Schaukel gehüpft und wollte mich abrollen, nur kam mein Knie zuerst auf.“
Odines Blick wurde ernst. Was Amy da gerade versucht hatte, war sehr, sehr gefährlich gewesen. Und hätte Kassandra davon gewusst, würde es bestimmt eine Standpauke geben.
„Kleines, sieh mich bitte an.“, Odines Stimme wirkte beherrscht, aber sehr ernst und Amy bekam sofort Angst.
„Nicht schimpfen, bitte.“
„Doch Engelchen, ich muss leider mit Dir schimpfen. Denn was Du gemacht hast, war sehr, sehr gefährlich. Du hättest Dir dabei ernsthaft wehtun können.“
„Oje. Bekomme ich noch mehr Ärger?“
„Nein, Kleines. Diesmal nicht. Aber wenn Du so etwas wieder vorhast, außerhalb von Kassys Dojo. Dann bekommst Du den. Regel Nummer eins, Engelchen.“
„Bring Dich nicht in Gefahr!“, zitierte Amy die oberste Grundregel im Hause Bernau-Richter.
„Genau, und dieser Stunt war sehr gefährlich. Wie oft hast Du denn diese hohen Sprünge und das Abrollen geübt?“
„Wir haben das vorgestern geübt, als ich bei Valerie war und Du im Garten ausspannen wolltest.“
„Schätzchen, Du hast das eine Einheit geübt und wolltest es ohne Tartamis machen? Das war sehr leichtsinnig“, tadelte Odine Amy.
„Es tut mir leid, ich mach’ das auch nie wieder. Versprochen.“
„Das hoffe ich, denn wenn Du so etwas noch mal machst, dann wird Dein Knie nicht das Einzige sein, was weh tut, Frollein.“
Amy schluckte. Sie hatte begriffen, dass sie gerade noch mal Glück hatte. Odine hielt Amy ganz fest in ihren Armen und ihr Kinn senkte sich liebevoll auf Amys Kopf ab, während sie sie in den Armen hielt. Odine machte sich Sorgen um Amy leichtsinnige Art. Irgendwann würde Amelie sich damit noch selbst in Schwierigkeiten bringen oder Schlimmeres. Odine hatte schon lange verstanden, welche Verantwortung sie trug. Eine Verantwortung, die sie für sie gerne übernahm. Denn sie liebte dieses blonde Wesen, das sie mitunter zwar auch zur Weißglut treiben konnte. Aber sie wusste immer, es war niemals böse gemeint. Amy würde nie etwas tun, um Odine bewusst zu verärgern. Ebenso wie sie auch wusste, dass Amy niemals wollte, dass sich Odine um sie sorgen musste. Amy indessen kuschelte sich immer tiefer in Odines Umarmung ein. Sie verlor sich in dem Gefühl der Geborgenheit. Darin, Odines Halt zu spüren, und schloss die Augen. Sie war in ihrer eigenen Gefühlswelt gefangen. Und diese fühlte sich einfach gut an. Aber irgendwann wollte Amy dann wieder aufstehen.

Unbequeme Fürsorge, Teil 3: Die Gesundheit

Schon mal daran gedacht, dass es nicht einfach ist, für die Gesundheit eines anderen die fürsorgliche Verantwortung zu haben? Ich meine, immer im Blick haben zu müssen, dass es dem Gegenüber gesundheitlich gut geht, dass sein Verhalten nicht schadet? Ich ja, und darum habe ich einen riesengroßen Respekt für Menschen in Pflegeberufen. Denn nichts anderes leben sie auf der Arbeit tagtäglich. Also denk bitte daran, diese Menschen bei Deinem nächsten Arztbesuch oder wo auch immer Du auf sie triffst, mit Respekt. Sie verdienen ihn und erst recht eine angemessene Bezahlung. Meiner Meinung nach verdienen sie für das Maß an Verantwortung und Fürsorge, das sie aufbringen müssen, eindeutig zu wenig. Und ja, eine angemessene Bezahlung ist auch eine Form von Respekt.

Unbequeme Fürsorge, Teil 4: Nein sagen.

Ich bin ja selbst eine Mommy Domme aber weißt Du, was mir immer verdammt schwerfällt? Nein zu sagen. Also zu sagen: „Nein, das machst Du nicht.“, etc. Denn wenn ich es tue, steht dahinter immer der Fürsorgegedanke, und ich sage es nicht, weil ich diese Person nicht liebe, das Gegenteil ist der Fall. Ich liebe diese Person so sehr, dass ich nein sage, um sie damit zu behüten und zu beschützen. Ich meine, meine Partnerin vertraut mir die Macht und die Verantwortung für den Menschen an, der mir in meinem Leben am wichtigsten ist, und ich muss dann aus Fürsorge für sie Nein sagen, obwohl meine Liebe ihr alles geben möchte, was sie sich wünscht. Klingt paradox, aber ehrlich: Mit Macht geht immer Verantwortung einher und der muss ich mich dann stellen. Aber wie war das mit Macht und Verantwortung? Wenn es leicht wäre, könnte sie jeder übernehmen? Ach ja, und dem Thema widme ich den nächsten Artikel der Reihe.

Schlußbemerkung

Und hättest Du gedacht, dass Fürsorge auch wirklich unbequeme Momente braucht? Oder ist sie für Dich nur etwas, das liebevoll und gebend ist? Ich bin auf Deine Antwort in den Kommentaren gespannt. Ich sehe Fürsorge sehr viel differenzierter, so differenziert, dass sie in meinen Romanen, welche Du alle  im Büchershop kaufen kannst, ein zentrales Thema ist,  und nicht nur in dem Roman Herbstalbträume aus dem das Zitat in diesem Artikel stammt.
In diesem Sinne
Sei Achtsam

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