Warum ich bewusst Casual Queerness für meine Romane nutze und wie ich es entdeckt habe.
Hast Du Dich schon mal gefragt, warum ich als Protagonisten ein lesbisches, also ein queeres Paar gewählt habe? Warum es Odine und Amelie und nicht Odin und Amelie heißt? Das hatte einige Gründe, Gründe, auf die ich in diesem Beitrag eingehen möchte.
Begriffserklärung Casual Queerness
Fangen wir mit der Begriffserklärung an. Casual Queerness bezeichnet Geschichten, in denen Personen (nach meinen Vorstellungen die Hauptpersonen) queer sind, ohne dass es dabei um Probleme aufgrund des Queerseins geht, oder weil die Figuren selbst in der Geschichte das Problem sind. Sie leben einen „normalen“ Alltag, in dem sie eben queer sind, andere Figuren vielleicht nicht, andere doch. Aber ihre Queerness ist kein Plottreiber im Sinne eines Konfliktes.
Mein erster Kontakt mit Casual Queerness
Für mich war die Denkweise schon lange, bevor ich diesen Begriff im Netz gelesen habe, etwas, dem ich nachgeeifert habe. Schuld daran ist eine Serie, die ich damals gesuchtet habe. Es geht dabei um die Abenteuer einer griechischen Kriegerin und ihrer amazonischen Prinzessin und Bardin. Na, habt ihr sie erkannt? Natürlich geht es dabei um Xena und Gabrielle. Xena wurde dabei von der wunderbaren Lucy Lawless und Gabrielle von Renée O’Connor gespielt und natürlich geht es um die Serie Xena – die Kriegerprinzessin.
Ich habe diese Serie erst sehr spät für mich entdeckt. Genaugenommen war ich da schon Mitte zwanzig und für mich war selbst beim ersten Ansehen der Serie klar: Die beiden sind ein Liebespaar. Aber was mich viel mehr ansprach, war, dass diese Beziehung als selbstverständlich gesehen wurde, als etwas, das nicht erklärt werden musste. Ihre Abenteuer waren der Kernplot, nicht der Kampf gegen die Welt, damit sie ihre Liebe leben konnten. Ihr Kämpfe waren zum größten Teil andere. Ja, es gab auch Folgen, in denen sie um ihre Liebe oder füreinander kämpfen mussten, aber viel öfter kämpften sie dafür, dass Menschen selbstbestimmt leben konnten. Sie kämpften dafür, dass jedes Lebewesen die Person ohne Anfeindung lieben durfte, die es liebte. (Ich sage nur: Liebe zwischen Zentauren und Amazonen.) Sie kämpften dafür, dass Menschen Fehler machen können und sich dennoch bereuen, was sie getan haben, und darum eine zweite Chance im Leben bekommen. Viel öfter kämpften sie für Frieden, das Recht auf Leben. Auch wenn ich mit dem Ende der Serie zu kämpfen habe, weil sie in meinen Augen kein Happy End hat. (Ich werde jetzt hier nicht spoilern, schaut Euch die Serie einfach noch mal an.) So hat sie mich doch geprägt, welche Art Geschichten ich mag. Und sie hat mein Weltbild geprägt. Diese Serie hat mir gezeigt, in welcher Welt ich leben möchte. Und wenn ich ehrlich bin, hat sie damit auch geprägt, wie ich meine Romane aufbaue. Ich liebe Happy Ends, ich liebe es zu zeigen, wie eine Welt sein kann, wenn wir füreinander einstehen.
Warum ist mir das gerade heute so wichtig?
Ich weiß, dass wir gerade in Zeiten leben, in denen das klassische Familienmodell und die guten alten Werte immer mehr als etwas Positives gesehen werden. Ich will nicht sagen, dass Werte wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Fleiß oder Ähnliches heute nicht immer noch wichtig sein sollten. Aber queer zu sein, bedeutet nicht, dass man diese Werte nicht teilt. Es bedeutet nur, dass man den klassischen und veralteten Entwurf von Liebe und Familie nicht teilt. Und das ist meiner Meinung nach eine positive Weiterentwicklung. In genau dieser Welt möchte ich leben, einer Welt, die alte Familienbilder, ebenso als richtig und wahr anerkennt wie die neuen modernen. Wo alte Rollenbilder und neue Rollenbilder für jeden freiwillig ausgesucht werden können, wenn man es denn so möchte. Aber ohne dass es die Bewertung richtig oder falsch gibt.
Warum ich Queerness nicht als Konfliktpotenzial zeigen will?
Ich bin es leid, die scheinbaren und tatsächlichen Konflikte, die das Queersein begleiten, immer wieder zu sehen, zu hören oder zu lesen. Ich möchte es anders machen: Ich möchte mit meinen Romanen eine Welt zeigen, die diese Konflikte weitgehend überwunden hat und in der es nur noch einige rückständige, Ewiggestrige gibt, die sich als Minderheit die gute alte Zeit zurückwünschen, und wie man als Gesellschaft mit ihnen umgehen kann, ohne dass man gleich eine Gesellschaft spaltet.
Vielfältigkeit als Stärke der Gesellschaft zeigen.
Ich finde, je bunter und vielfältiger eine Gesellschaft ist, umso stärker ist sie. Stärke entsteht durch Anpassungsfähigkeit, Lernbereitschaft und auch aus der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Und die Regenbogenflagge gibt es nicht umsonst, denn was ist bunter und vielfältiger als ein Regenbogen? Genau das versuche ich in meinen Romanen, in der Welt meiner Romane zu zeigen.
Liebe braucht keine Labels.
Warum müssen wir alles mit einem Label versehen, warum muss es Labels dafür geben, wie wir lieben, wen wir lieben? Warum muss alles mit Labels und Schubladen versehen werden, die andere bewerten können, und dürfen? Liebe braucht nur eines: ein Herz, das liebt. Aber sie braucht keine Labels, Nicht umsonst hat sich die Liebe von Odine und Amelie im Laufe ihrer Beziehung verändert. Ich wollte zeigen, dass diese Labels so vollkommen unnötig sind wie ein Politiker, der Fremdenhass schürt, oder den Menschen, denen es schlecht geht, nicht mal den Dreck unter den Fingernägeln gönnt.
Anderssein ist niemals ein Problem, aber es kann die Lösung sein.
Mich nervt es schon seit Langem, dass, wenn man anders ist, man angestarrt, angefeindet oder Schlimmeres wird. Anderssein ist niemals ein Problem, wenn wir offen und mit Neugier durch das Leben gehen. Anderssein wird nur dann zu einem Problem, wenn mein Ego zu schwach ist, zu erkennen, dass meine Vorbehalte, meine Vorurteile gerade ins Wanken kommen, und ich nicht den Mut habe, mich dem zu stellen und Neues zu lernen. Denn anders sein bedeutet: Dinge aus einem anderen Blickwinkel sehen. Und vielleicht erkennt man ja aus dem Blickwinkel des anderen, wie sehr man sich mit seinen Annahmen geirrt hat. Vielleicht kann man aus dieser anderen Sichtweise etwas mitnehmen, um selbst etwas zu lernen und ein besserer Mensch zu werden. Bitte nicht falsch verstehen: Nicht jede Meinung, nicht jeden Blickwinkel muss ich für mich annehmen. Aber sollte man nicht jede Chance nutzen, sein eigenes Weltbild zu hinterfragen?
Fazit
Casual Queerness ist eine Chance, neue Bilder zu malen, neue Universen zu zeigen, neue Welten zu bauen. Zu zeigen, wie schön das Leben sein könnte, Hoffnung zu geben. Genau das möchte ich mit meinen Romanen, zeigen: dass am Ende eines jeden Tunnels ein Licht für jeden scheint, dass wir alle vielleicht nur etwas offener in die Welt gehen sollten, um diese meine persönliche Utopie zum Leben zu erwecken, auf dass aus einer Utopie eine bessere Welt werde. Ich wünsche mir mehr als alles andere, dass meine Utopie keine Utopie mehr bleibt. Wenn Du mehr über meine Utopie erfahren möchtest, dann lies doch mal hier weiter. In diesem Sinne Sei Achtsam
Hallo,
mein Name ist Daira Bär. Ich bin Romanautorin, Mommy Domme und Dampferin. Als bekennende BDSMlerin und Mommy Domme schreibe ich Romane im Bereich von Lesbian Love & Cozy Crime. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen im Bereich von lesbischen Beziehungen mit D/s genauer CG/l versuche ich genau diese Erfahrungen in meine Romane einzubringen. Wenn Du also realistische Romane aus diesem Bereich mit einem spannenden Kriminalfall kombiniert magst, dann schaue doch mal in meinen Büchershop hier auf der Seite.
Liebe Grüße
Daira
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