Beschreibung
Klappentext von Die Feuer des Harlekins:
Der erste Arbeitstag als Abteilungsleiterin und Odine hat schon alle Hände voll zu tun. Sowohl auf privater als auch beruflicher Ebene prallen sie und Amelie aneinander. Dann kommt auch noch ein Fall, der zwischen Amelie und ihren Partner einen Keil zu treiben scheint. Zu allem Überfluss muss Odine dann auch merken, dass sie und Amelie in der Kommunikation Probleme haben. Nicht immer ist klar erkennbar, wann Vorgesetzte und Mitarbeiterin reden, oder Mommy und littleone oder gar zwei Eheleute. Schaffen Odine und Amelie es, ihre Probleme zu lösen. Und herauszufinden, wer der mysteriöse Harlekin der Nacht ist? All das und noch viel mehr Spannung, erwartet Euch wieder in der Geschichte. Ebenso wie natürlich ganz viel Gefühl zwischen Eheleuten und einer Mommy und ihrem littlegirl.
Leseprobe
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Die Feuer des Harlekins
Daira Bär
Vorwort
Ihren ersten Tag als Leiterin der Mordkommission hatte sich
Odine Bernau anders vorgestellt. Erst der Gerichtstermin mit ihrer Frau, dann eine Besprechung mit dem neuen Dienststellenleiter, und ein Termin mit dem leitenden Oberstaatsanwalt im Mullenberg Fall. Nein, da mussten sich ihre Mitarbeiter auch noch im Büro öffentlich in die Haare kriegen. Alles nicht so schlimm, wenn nicht ein Radiomoderator sich bei ihrer Dienststelle gemeldet hätte, weil er Morddrohungen bekommt. Dabei kann sie den Schreiber mehr oder weniger verstehen, die Radiosendung des Moderators ist einfach widerlich, strotzt nur so vor Machogehabe.
Mit diesem Band wird die Geschichte um das Polizistinnenduo Odine und Amelie weiter erzählt.
Kapitel 1: Ein etwas anderer Tag
Odine Bernau saß mit ihrer Frau Amelie in ihrem Dienstwagen und war mit ihr auf dem Weg in das Gerichtsgebäude. Ihr gemeinsamer Freund Oberstaatsanwalt Morretti hatte sie darüber informiert, dass am heutigen Tag die Urteilsverkündung im Fall Schaffranek war. Odine hatte ihre Frau gefragt, ob sie dahin wollte, und verdammt noch mal, das wollte Amelie. Sie wollte mit eigenen Augen und Ohren erleben, wie die Sache für ihren Peiniger ausging. Im Radio lief gerade die Morgenshow eines Privatsenders. Aus dem Autoradio ertönte die Stimme eines Mannes.
„Guten Morgen, liebe Hausfrauen und alle, die heute auch noch faul sein können. Begrüßen wir doch den Tag gemeinsam mit etwas Musik. Euer Mark Schadomsky.“
Dann wurde ein Lied aus den Charts abgespielt und Amelie wechselte den Sender.
„Diesen Macho kann ich heute Morgen nicht gebrauchen. Der ist sonst auch nur schwer zu ertragen, aber heute halte ich den nicht aus.“
Amelie saß ruhig auf dem Beifahrersitz und wirkte sehr angespannt. Odine beobachtete sie aus den Augenwinkeln während der Fahrt. So ruhig wie Amelie war, war ihr die Nervosität an der Nasenspitze anzusehen. Immer wieder schaute Amelie gedankenverloren nach draußen.
„Das wird schon, Amelie. Du wirst sehen, Schaffranek wandert ein.“
„Die Frage ist nur, wie lange.“, kommentierte Amelie Odines Versuch, sie aufzubauen.
Odine sagte kein Wort mehr. Sie erinnerte sich an den Satz von Morretti. ‚Vor Gericht und auf hoher See sind wir alle in Gottes Hand.‘ Sie war keine gläubige Christin, tatsächlich stand sie dem Zen näher als dem Christentum, aber in diesem Fall wusste sie, dass ihr Ex mit seiner Aussage recht hatte. Was vor Gericht geschah, konnte man nie sicher wissen.
In dem Moment kamen die beiden auch schon vor dem Gericht an.
Odine parkte den Wagen auf dem Parkplatz des Gerichtsgebäudes. Als die beiden auf dem Weg zum Gerichtsgebäude waren, bekam Odine allerdings einen Schreck. Der gesamte Haupteingang war mit der Presse nahezu verstopft. Überall waren Reporter und Kameras. Sie stoppte und hielt Amelie am Arm fest.
„Halt, Schatz. Schau mal!“
Mit diesen Worten deutete sie auf die Meute an Reportern.
„Willst Du da wirklich durch?“
Verschüchtert sah Amelie ihre Frau an. Die Gerichtsverhandlung hatte schon ihre Kraft gefordert. Aber dann noch durch die Presse da? Die würden bestimmt Fragen stellen, und darauf hatte Amelie nun wirklich keinen Bock.
„Nein. Denen würde ich lieber aus dem Weg gehen. Es reicht, wenn Du jetzt mit denen zu tun hast. Ich verzichte.“
Missmutig setzte sich Amelie wieder in Bewegung, um zum Auto zu gehen. Odine überlegte, wie sie dennoch in das Gebäude kommen konnten. Aber der Haupteingang war mittlerweile der einzige Zugang zum Gericht. Sie rannte hinter ihrer Frau hinterher und als sie sie eingeholt hatte, meinte sie zu ihr.
„Wir fragen nachher sofort Morretti, wie es ausgegangen ist. Was hältst Du davon?“
„Danke. Aber lass uns zur Arbeit fahren. Ich hätte zu gern die Augen von dem Schwein gesehen, wenn er in den Bau wandert.“
Odine fuhr mit Amelie auf die Dienststelle. Lars Richard Gebauer hatte sein Büro bereits ein paar Tage vorher geräumt und mit Odine abgesprochen, wie sie es eingerichtet haben wollte. Als sie ankamen, empfing er sie bereits am Eingang.
„Na, das war aber schnell.“
„Wir sind nicht rein, da war zu viel Presse“, antwortete Odine ihm.
„Oh, na daran wirst Du Dich gewöhnen müssen.“, erwiderte Gebauer mit einem Lächeln.
Odine deutete mit dem Kopf auf Amelie und meinte.
„Es ging nicht um mich.“
„Ah, verstehe. Wollen wir uns mal Dein neues Büro ansehen?“, schlug Gebauer vor.
„Gerne.“
Die drei gingen in das neue Büro von Odine, welche jetzt als Kriminalhauptkommissarin die Abteilungsleiterin für Mordfälle war. Amelie verschlug es fast die Sprache. Odine hatte sich wirklich einen alten, schweren Holzschreibtisch und einen neuen, schweren, schwarzen Ledersessel in das Büro stellen lassen. Dazu zwei passende Ledersessel für Gäste. An einer der freien Wände stand ebenfalls ein schwerer, dunkel gebeizter Holztisch. Aber was sie am meisten irritierte, waren die dunklen Holzregale und Schränke an den Wänden, welche zum Schreibtisch passten. Das ganze Büro war in dunkel gebeiztem Holz eingerichtet.
„Wo habt ihr das denn bitte alles hergenommen? Das sieht ja richtig edel aus.“, staunte die blonde Ermittlerin.
„Das sind die Büromöbel, die eingelagert waren, Odine wollte sie gerne wiederhaben“, antwortete Gebauer mit einem Lachen.
„Schatz, das sieht ja hier richtig vornehm aus.“
„Danke.“, antwortete Odine mit einem Lachen.
Dann wandte sie sich an Gebauer.
„Wo sind die Gesetzestexte, die ich geordert habe?“
„Die kommen morgen, die Druckerei schickt gleich die aktualisierte Fassung und die dazugehörigen Auslegungen.“
„Super, lass mir doch von Morretti nicht das Wasser abgraben“, erwiderte Odine mit einem Grinsen.
„Gut. Dann bin ich erst mal raus.“
Mit diesen Worten verabschiedete sich Lars Richard Gebauer, der neue Erste Kriminalhauptkommissar der Dienststelle von Odine und Amelie.
„Ob er es da oben auch so ungewohnt findet wie ich?“, fragte Amelie ihre Frau.
„Was ist denn ungewohnt?“, hakte Odine nach.
„Na, dass Du nun hier in diesem antiken Büro sitzt und ich wieder mit Remzi zusammenarbeite. Und viel schlimmer, dass es sich irgendwie richtig anfühlt.“
„Was ist daran falsch, wenn es sich richtig anfühlt?“
„Nichts, und doch ist es ungewohnt“, nuschelte Amelie vor sich hin.
Odine lehnte sich an die Kante ihres neuen Schreibtisches und schaute Amelie von da aus mit einem sanften Blick an.
„Hast Du ein schlechtes Gewissen?“, fragte sie mit Sorge in ihrer Stimme.
„Nein, es ist nur alles so anders auf einmal. So ganz anders. Und doch, es passt irgendwie.“
„Dann genieße es doch, mein Engel. Ich freue mich auf jeden Fall, dass Du und Remzi Euch zusammengerauft habt. Vielleicht wird das hier ja Euer beider berufliche Heimat.“
„Werden wir beide je wieder gemeinsam Außendienst haben?“
„Ja, mit Sicherheit. Ich schaue mir jeden Tatort und Leichenfundort persönlich an.“
„Aber keine gemeinsamen Verhöre mehr?“
„Wieso nicht?“
„Na, Du sitzt doch hier hinter dem Schreibtisch fest. Und ich hab so viel dabei von Dir gelernt.“
„Ich werde auch weiterhin Verhöre führen, nur nicht mehr jedes. Das brauche ich auch nicht, Amelie. Du bist eine sehr gute Ermittlerin und führst sehr gute Verhöre. Vielleicht wird es Zeit, dass Du auch mal einen anderen Weg als meinen dabei lernst.“
„Du meinst den von Remzi?“
„Genau den meine ich. Schau, Du musst Deinen eigenen Weg finden. Und das geht nur, wenn Du Dir von möglichst vielen Kollegen was abschauen kannst.“
„Also ist es wirklich gut, dass Remzi hier ist?“, unsicher schaute Amelie zu ihrer Frau.
„Ja, das ist es, mein Schatz.“
Mit diesen Worten öffnete Odine ihre Arme und sofort verkroch sich Amelie in den Armen ihrer Frau. Genau in diesem Moment platzte Remzi in das Büro.
„Herzlich willkommen am ersten Arbeitstag. Oh, ich störe wohl.“
Odine schüttelte mit dem Kopf und Amelie löste die Umarmung, als dann auch schon Odine sagte.
„Danke, Remzi, aber eine Sache hab’ ich da noch. Wenn die Tür geschlossen ist, wird angeklopft, und auf ein Herein gewartet. Nur, dass wir uns in der Zukunft verstehen.“
„Jawohl, Odine.“
Amelie grinste in sich hinein. Ihre Frau verteilte am ersten Tag bereits Anpfiffe und unterrichtete Benimmkurse. Und das Beste daran war, es war nicht sie damit gemeint. Odine bemerkte das sofort und fuhr im gleichen strengen Tonfall fort.
„Das gilt auch für Dich, Amelie Richter-Bernau. Da ist kein Grund, so zu grinsen.“
„Ups. ´Tschuldigung.“
Dann lachte Odine auf und sprach.
„So, Leute, genug damit für heute. Wir haben noch was zu erledigen. Du, Remzi ziehst zu Amelie ins Büro. Und ich muss meine Sachen noch aus dem Büro holen.“
„Alles klar, soll ich Kartons besorgen?“, fragte der dunkelhaarige Kriminalbeamte. „Das wäre super.“
„Gut, bin in ein paar Minuten wieder da.“
Mit diesen Worten verschwand Remzi, um ein paar Kartons zu besorgen.
„Odine, warum?“, fragte Amelie die braunhaarige Kriminalbeamtin.
„Warum was? Warum ich eine Regel für geschlossene Türen aufgestellt habe?“
„Ja, und warum gleich am ersten Tag?“
„Schau, es gibt einen Grund, warum ich ab und an die Tür hier schließen muss. Weil ich dann Gespräche führe, die nicht in der ganzen Dienststelle bekannt sein sollen. Also vertrauliche Dinge bespreche.“
„Aber wir sind Dein Team, wir stehen hinter Dir.“
„Das mag sein, aber dennoch, nicht alles ist für Eure Ohren bestimmt. Nicht alles, was hier passiert, geht Euch etwas an. Die Tür geschlossen ist ein Zeichen. Ein Zeichen, das ihr beide zu respektieren habt“, sagte Odine mit ernster Stimme.
„Muss ich das nun als Dienstanweisung werten?“, sprach Amelie mit einem Grinsen. Sie hatte Odine verstanden und wollte daher die Stimmung wieder etwas heben.
„Für Remzi war es eine. Für Dich sollte da eigentlich Regel zwei automatisch greifen, junge Dame!“, antwortete Odine ihrer Frau mit einem Schmunzeln.
„Regel zwei? Was hat eine geschlossene Tür bitte mit Respekt zu tun?“, fragte Amelie etwas verwirrt.
„Na, wenn ich die Tür schließe, habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich Privatsphäre benötige. Und wenn Du oder Remzi oder jemand anderes da einfach reinstürmt? Wird da meine Entscheidung respektiert?“
„Äh, so hab’ ich das gar nicht gesehen. Aber auf die Frage zurück. Nein, das wird sie nicht.“
„Also alles geklärt?“, fragte Odine noch einmal zur Sicherheit nach.
„Ja, alles geklärt.“, bestätigte Amelie mit einem Lächeln.
„Gut, dann warten wir noch auf Remzi und dann fangen wir mit dem Umzug an.“, sprach Odine mit einem sanften Lächeln.
„Hättest Du gedacht, dass Du dieses Jahr noch einmal umziehst?“, fragte Amelie neugierig.
„Wenn Du meinst, ob ich damit gerechnet hab’ dieses Jahr befördert zu werden, dann nein. Es hieß immer, es wäre keine Planstelle frei.“
„Oh. Aber dann ist ja jetzt wieder eine frei, oder? Ich meine für den Kriminaloberkommissar“, hakte Amelie nach.
„Das weiß ich gerade nicht. Aber ich mache mich schlau. Nur einen kleinen Dämpfer habe ich da noch für Dich. Das Dienstalter spielt dabei auch immer eine Rolle.“
„Das heißt, Remzi wird vor mir Oberkommissar?“, hakte Amelie nach.
„Ja, das heißt es. Es sei denn, es werden zwei gesucht. Aber das kommt nur vor, wenn die Abteilung größer wäre.“
„Wie viele müssten wir dazu hier sein?“
„Damals waren es vier Ermittler, ohne den Hauptkommissar.“
„Äh, also pro Team nur ein Oberkommissar?“
„Genau.“
„Dann werde ich so lange Remzi hier ist ja nie befördert.“, schimpfte Amelie los.
„Abwarten, früher hat die Abteilung mal aus vier Mann bestanden, ein Kollege wurde im Dienst getötet und ein weiterer war gerade ein paar Wochen weg, als wir Dich hergeholt haben.“
„Ah, deswegen ging das so rasch mit der Versetzung damals.“, grinste Amelie.
„Ja, wir waren unterbesetzt, sind es eigentlich immer noch.“
„Weißt Du schon, wie Du das lösen willst?“
„Nein, aber das sind dann auch Gespräche, über die wir vorhin sprachen.“
„Du meinst, Gespräche hinter verschlossenen Türen?“
„Ja, denn diese würde ich mit dem Boss allein führen.“
„Hätten wir kein Mitspracherecht dabei?“
„Natürlich, ihr dürft gerne Kollegen vorschlagen.“
„O.K.“
In dem Moment betrat Remzi wieder das Büro von Odine.
„Ich habe drei Kartons mitgebracht. Einen für meine Sachen und zwei für Dich, Odine.“
„Danke, dann lasst uns anfangen.“
Odine nahm Remzi zwei Kartons ab und alle gingen in die anderen Büroräume. Odine und Amelie packten Odines Sachen zusammen und brachten diese in ihr neues Büro. Im Gang trafen sie Remzi, der gerade mit seinem Karton aus seinem alten Büro kam.
„Na das klappt ja wie bei der Reise nach Jerusalem.“, meinte er mit einem Grinsen im Gesicht.
„Nur dass man da einen Stuhl zu wenig hat, wir haben einen zu viel.“, erwiderte Amelie mit einem Lachen.
„Wie meinst Du das?“
Remzi verstand nicht, worauf Amelie rauswollte.
„Na ganz einfach, der Stuhl in Deinem alten Büro, der ist unbesetzt.“
„Oh. Stimmt.“
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