
Toxische Beziehungen oder Beziehungen mit Machtgefälle?
Hallo liebe Leser,
in diesem Beitrag möchte ich mit euch mal über das Thema toxische Beziehungen sprechen und wie sich Beziehungen mit Machtgefälle davon unterscheiden. In meinen Augen gibt es in beiden Beziehungen wesentliche Unterschiede. Zum besseren Verständnis füge ich hier noch meinen Vortrag über Beziehungen mit Machtgefälle als Video ein.
Grundsätzliches

In toxischen Beziehungen kann es vorkommen, dass eine oder beide Seiten mit den toxischen Verhaltensweisen aufwartet. Unter toxischen Verhaltensweisen verstehe ich Verhaltensweisen, die für die Beziehung und/oder einen von beiden Partnern ungesund sind. Ungesund können sie sein, weil sie entweder am Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl oder der Selbstwahrnehmung Schaden fügen können. Diese Aufzählung ist nicht abschließend. Allgemein handelt es sich dabei um Handlungen oder Worte, die der psychischen Gesundheit des anderen schaden. Sie vergiften sozusagen die Seele. (Daher toxisch)
Toxische Beziehungen nutzen nur einer Seite
In einer toxischen Beziehung ist, ist es so, dass die Verhaltensweisen immer nur einer Seite nutzen. Bedeutet derjenige, der sich gerade toxisch verhält, zieht den Nutzen aus der Beziehung.
Merkmale einer toxischen Beziehung (nicht abschließend)
Kontrollsucht – mindestens einer der Partner in Beziehung versucht eine Kontrolle über den anderen auszuüben. Dieses kann sich auf unterschiedliche Bereiche beziehen. Bereiche wie:
- Essen
- Trinken
- Kleidung
- Finanzen
- Sexualität
Auch diese Aufzählung ist nicht abschließend.
Diese Kontrollsucht hat keinen fürsorglichen Charakter, sie dient dazu, dass sich der Kontrollierende seines Partners sicher ist. Und ganz wichtig diese Kontrolle erfolgt nicht im gegenseitigen Einvernehmen.
Beispiele für eine toxische Beziehung
- Permanente Liebesbeweise, die unangenehm sind, sogenanntes Love Bombing. Der Partner überschüttet einen mit Geschenken und Komplimenten.
- Despektierliches Verhalten gegenüber der eigenen Person. Der Partner sagt einem immer wieder man wäre zu dumm, zu langsam, zu dünn, zu dick, etc. Dieses Verhalten soll das Selbstbewusstsein untergraben und eine Abhängigkeit schaffen, weil man glaubt, alleine es nicht zu schaffen im Leben.
- Die Angst davor, freizusprechen. Man hält sich in Gesprächen zurück, verkneift sich Bemerkungen zurück, die womöglich einen Streit auslösen könnten.
- Es wird einem dauerhaft die eigene Unfähigkeit vor Augen geführt. Der Partner schiebt die Schuld immer wieder auf den anderen Partner und bestraft dieses Verhalten auch.
- Die Beziehung ist im Ungleichgewicht. Als Partner hat man das Gefühl, dass man mehr in die Beziehung investiert als der andere.
- Man fühlt sich vom Partner emotional abhängig und diese Abhängigkeit wird ausgenutzt. (Eine gute D/s – oder CG/l –Beziehung nutzt eine emotionale Abhängigkeit nicht aus!)
- Der Partner zieht sich nach intimen Momenten zurück. Ihr hattet Sex und der Partner schafft danach eine Distanz zwischen euch? Oder nach eine Session redet ihr die nächsten Tage nicht miteinander? Gerade nach letzterem ist das Aftercare also die Fürsorge füreinander hinterher besonders wichtig. (Nicht nur für den submissiven Part!)

Unterschiede zwischen toxischen Beziehungen und Beziehungen mit Machtgefälle.
Die oben beschriebenen Mechanismen der Kontrolle gibt es auch in Beziehungen mit Machtgefälle. Allerdings ist hier der wesentliche Unterschied, dass diese Kontrollabgabe bewusst vom devoten Partner erfolgt oder im Rahmen von SSC oder RACK über den Metakonsens vereinbart wurde. Somit liegt eine Einwilligung vor. In einer gesunden D/s oder CG/l-Beziehung ist diese Kontrollübernahme auch immer mit einer gewissen Fürsorge des dominanten Partners gepaart. Es geht daher nicht um das Sicherstellen des Beziehungsstatus wie bei einer toxischen Beziehung. Denn die oben genannten Beispiele dienen ausschließlich diesem Zweck, sondern darum dafür zu sorgen, dass es dem eigenen Partner gut geht. Gerade letzteres Element ist der wesentliche Antrieb einer Mommy Domme oder eines Daddy Doms. Fürsorge für die Menschen, die man liebt, ist etwas, das im CG/l- Bereich nur schwer zu trennen ist. (siehe Textausschnitt aus Tödliche Flitterwochen in Florida)
Tödliche Flitterwochen in Florida
„Eigentlich schon. Ich denke, wir müssen morgen mal mit Toni reden“, sagte Frank.
„Und ich werde morgen mit Sarah was unternehmen, dann habt ihr alle etwas Freiraum“, ergänzte Erika.
„Das ist eine gute Idee. Aber frag bitte morgen Toni. Ich denke, die will da ein Mitspracherecht“, erwiderte Frank.
„Ja, mach’ ich, Daddy.“
Amelie lächelte, aber ihre Gedanken waren gerade ganz woanders. Je mehr sie Toni und Frank beobachten konnte und ihr Verhalten mit dem von Odine abglich, umso mehr fiel ihr auf, dass Odine sich genauso wie die zwei verhielt. Und auch das Verhalten von Gaby in Deutschland. Alle verhielten sich im Grunde genommen gleich oder zumindest sehr ähnlich. Sogar Kassandra, auch wenn sie sich gegen die Anrede Mommy wehrte. Sie alle waren Caregiver. Alle verhielten sich zu ihren Partnern, fürsorglich und das verwirrte Amelie. Denn Odine hatte sich bereits bei ihrem ersten Treffen so verhalten, und das passte irgendwie nicht in ihr Bild. War Odine wirklich eine Mommy Domme? Brauchte Odine etwa Amy genauso sehr wie Amelie? Sie verstand es nicht und wurde immer nachdenklicher. Odine war Amelies Nachdenklichkeit nicht entgangen. Sie schaute Amelie in die Augen und fragte sie.
„Schatz, worüber denkst Du nach?“
„Über Begriffe wie Daddy Dom, Mommy Domme und Caregiver im Allgemeinen“, gestand sie wahrheitsgemäß.
„Und hast Du schon eine Erkenntnis?“, fragte Odine sie.
„Eher eine Frage. Könnt ihr eigentlich Fürsorge und Liebe trennen?“, dabei sah Amelie abwechselnd zwischen Frank und Odine hin und her. Erika musste schmunzeln. Sie kannte Franks Antwort darauf, sie beide hatten vor Jahren die gleiche Diskussion.
„Nein, Amelie, ich kann es nicht trennen. Die Menschen, die ich liebe, die möchte ich beschützen, um die kümmere ich mich, damit es Ihnen gut geht im Leben.“
„Dem kann ich mich nur anschließen“, erwiderte Odine.
„Aber, wieso der Zaun, wieso die Regeln, wieso diese Anreden wie Mommy oder Daddy?“
„Na, findest Du nicht, dass diese Art der Fürsorge etwas Elternhaftes hat. Gerade, wenn Du wieder im littlespace bist“, schaltete sich nun auch Erika ein.
„Hm. Stimmt, ich muss gerade an ein Erlebnis auf dem Spielplatz bei uns denken. Da war Odine schon sehr mütterlich, um es mal so zu nennen.“
Odine musste schmunzeln, sie wusste, welchen Moment Amelie meinte und forderte Amelie auf, die Geschichte zu erzählen. Was diese dann auch tat. Erika war hin und weg von der Geschichte und umarmte erst mal Amelie.
„Na, da hast Du ja ne super Mommy zur Frau.“
Amelie war unsicher, war Odine das wirklich, sie war immer Odine, egal, wie Amelie sich verhielt oder Amy. Aber sie war immer Odine. Brauchte man solche Bezeichnungen überhaupt? Irgendwann stellte sie dann die entscheidende Frage.
„Ist man ein Caregiver auch ohne die entsprechende Anrede?“
Unsicher schaute sie in die Runde.
„Ich denke, ja“, sagte Frank.
„Die Anrede ist nur das Tüpfelchen auf dem i. Viel wichtiger ist das Verhalten. Wenn Frank sich nicht so verhalten würde, wie ich es bei einem Daddy Dom erwarte, dann könnte ich ihn auch nicht so anreden“, erwiderte Erika.
„Und wie siehst Du das?“, unsicher schaute Amelie ihre Frau an. Diese hatte bisher dazu nichts gesagt, meinte dann aber.
„Schatz, egal, wie Du mich anredest, ich werde Dich immer lieben, ich werde Dich immer versuchen zu beschützen. Und ich werde immer Dein Zaun sein, wenn Du Dinge tust, die Dir schaden. Ich brauche keine derartige Anrede von Dir, um für Dich da zu sein.“
Nachdenklich schaute Amelie in die Runde. Auch wenn sie Antworten auf ihre Fragen bekommen hatte. So brachten sie diese Antworten nicht weiter. Logik führte hier nicht zum Ziel. Odine begann aber Amelie zu durchschauen, daher nahm sie Amelies Hand und schaute ihr in die Augen.
„Höre auf Dein Herz, dann wirst Du wissen, was richtig ist“, sagte sie mit sanfter Stimme.
Fazit
Ich habe diese Szene bewusst ausgewählt, um einmal den Unterschied zu verdeutlichen. Nur, weil zwei Menschen dasselbe tun, ist es noch lange nicht das Gleiche. Ein Caregiver oder eine andere dominante Person, die Kontrolle ausübt, weil die Fürsorge dahintersteht, ist etwas völlig anderes als eine Person, die aus Verlustangst oder anderen Motiven ihren Partner kontrolliert.
Wie seht Ihr das? Ich freue mich über eure Meinungen in den Kommentaren.
In diesem Sinne
Seid Achtsam
Weiterführende Links:
Hallo,
mein Name ist Daira Bär. Ich bin Romanautorin, Mommy Domme und Dampferin. Als bekennende BDSMlerin und Mommy Domme schreibe ich Romane im Bereich von Lesbian Love & Cozy Crime. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen im Bereich von lesbischen Beziehungen mit D/s genauer CG/l versuche ich genau diese Erfahrungen in meine Romane einzubringen. Wenn Du also realistische Romane aus diesem Bereich mit einem spannenden Kriminalfall kombiniert magst, dann schaue doch mal in meinen Büchershop hier auf der Seite.
Liebe Grüße
Daira


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